ISA-Mitglieder: Bietet Multimedia für uns die «Wege aus der Krise?»
 
Kurt K. Wolf, 1994
Rund 180 Mitglieder der Interessengemeinschaft der Scitex-Anwender und deren Scitex-Ansprechpartner trafen sich am 6.-7. Mai zur diesjährigen Frühjahrstagung im Sheraton Hotel in München. Die Tagung stand unter dem Motto «Wege aus der Krise» und untersuchte die Bilderfassung, die Seitenund Bogenmontage nach Möglichkeiten der Rationalisierung, und ging besonders auf Multimedia ein.
Fachkongresse
 
 
Rund 20 Fachvorträge standen auf dem Programm der der Tagung, deren Begrüssung diesmal ganz im Zeichen des Rücktritts von ISA-Präsident Werner Ziegler stand. Seine neuen Aufgabe als Geschäftsführer der schweizer Omag AG, einer Lieferfirma der Druckvorstufe, erlaubt ihm nicht mehr die Führung der ISA, weshalb er sich nicht mehr zur Wahl stellte.

Die ISA ist auf 147 Scitex-Anwender angewachsen

Er hielt Rückschau auf die vier Jahre seiner Präsidentschaft, welche in die Zeit des grossen Wandels von der geschlossenen EBV zum offenen Color Publishings fiel, durch den alle Reprobetriebe zu gehen hatten. Gerade deshalb brauchten die Anwender mehr Informationen als je zuvor, und genau diese Aufgabe habe die ISA wahrgenommen. Man habe 25 Mailings verschickt, drei nationale und acht internationale Fachtagungen veranstaltet, die Kommissionen gegründet und die Teilnehmer der Niederlande einbezogen. Der Mitgliederbestand hat sich von 47 auf 146 erhöht, was er als Bestätigung für die gute Leistung des Vorstandes betrachtete. Die ISA hat nun ein Halbtagssekretariat in Wien eingerichtet, das von Frau Sascha Hoogeboom geführt wird. Die Adresse lautet: ISA-Sekretariat Wien, Ziegelofengasse 29, A-1050 Wien, Tel . +43-1-544 56 11 Fax: +43-1-544 56 11-74. Auch Scitex habe sich in diesen vier Jahren verändert, von 396 Mio DM im Jahr 1989 habe sich der Umsatz auf über eine Milliarde DM ver zweieinhalbfacht und Scitex sei damit der grösste Anbieter von Hardwareund Software und Systemen der Druckvorstufe weltweit geworden.

Shimon Alon: Auch Scitex spürt die Krise

Der Präsident von Scitex Europa, Shimon Alon, begrüsste sodann die Mitglieder und bedankte sich für die Organisation der Tagung. Das letzte Jahr sei schwierig gewesen für Scitex, der Preis für eine Seitenreproduktion sei weiter gefallen, der Wettbewerb sei härter geworden, fast jeden Tag seien neue Maschinen auf dem Markt erschienen. Viele Anwender mussten Gewinneinbussen spüren. Besonders die Rezession in Deutschland sei durch alle Industrien gegangen, aber Scitex sei die Probleme aktiv angegangen. Klaus Baur, der seit zehn Jahren für Scitex erfolgreich in Deutschland verkaufe und sich deshalb zu Recht die Stellung des Verkaufsdirektor erwor-

ben hat, wird in Zukunft den Verkauf in der Schweiz und in Österreich unterstützen. Sylvia Muhr ist neu verantwortlich für Norddeutschland und Ernst Hoffmann für Süddeutschland. Alle drei unterstehen dem neuen Verkaufsleiter Europa, Dirk Craen, der neu bei Scitex eingetreten ist und Erfahrungen mitbringt von Hewlett-Packard und Olivetti.

Weltpremiere der Savanna

Anschliessend stellte Shimon Alon die neue Savanna-Workstation vor, die erste offene Workstation von Scitex, aus einer Software von Unda und einer Sun SparcStation 20 bestehend. Er ging auf die technischen Details der Workstation ein und erinnerte daran, dass diese genau die Forderung erfüllt, die man in Noordwijk generell und in der Kommissionsitzung speziell verlangt hatte. Dann berichtete er von der Zusammenarbeit mit Felix Brunner, der bestätigt hatte, das Iris der einzige Digitalproofer bisher sei, der die Qualität des Offsetdrucks erreicht. Zur Zeit entwickele Brunner einen digitalen Kontrollstreifen für die Iris-Proofer. Im letzten Jahr habe man die PostScript-Produkte weiter entwickelt, den RiproServer, ClassScreening und die Ausschiess-Software vorgestellt. Man habe in P.Ink investiert und den weltweiten Vertrieb ausserhalb des ISA-Gebietes übernommen. Das seien einige der Schritte, die man unternommen habe, um die Wünsche der ISA zu erfüllen. Man werde diesen Weg weitergehen, gemeinsam der ISA. Dann verabschiedete er Werner Ziegler als Präsident und überreichte ihm eine kunstvoll-modern bemalte Porzellanschale aus dem schönen Rosenthal. Nach diesen Begrüssungsreden begann das eigentliche Vortragsprogramm mit den ersten Block.

Alternativen der Bilderfassung

Robert Caspe, der Gründer von Leaf und Entwickler der ersten Digitalkameras gilt als der führende Fachmann der Digitalfotografie. Er hielt einen Vortrag, der klar machte, das für Ihn das Zeitalter der Digitalfotografie da ist. Mit dem Leaf Camera Back können hochaufgelöste Studioaufnahmen gemacht werden, mit der Lumina sei eine preiswerte kleinere Kamera geschaffen, und mit dem Leaf-Programm Colorshop oder Resolut können die RGB-Bilder zu exellenter Reproqualität separiert werden. Es werde nie dazu kommen, dass die Digitalkameras die Studiokameras mit Farbfilm vollständig ersetzen, und deshalb müsse man jetzt einsteigen. Er kündigte die digitale Portrait-Kamera mit der Kurzeitbelichtung, die vor wenigen Wochen auf der Power Macintosh Expo in New York vorgestellt worden war, für Jahresende 1994 an.

Ludwig Laut: Mit Kodak Photo CD und ProgRes-Kamera vorwärts

Die digitale Kette hat Ludwig Laut im letzten Jahr auf zwei Arten zum Kunden gespannt. Zum einen wurde er Photo CD-Anbieter für Kodak in Österreich und bietet damit die Bilderfassung auf Amateurniveau an, kann sie aber auch bei geeigneten Seriendias für den eigenen Reprobetrieb nutzen. Allerdings steht wegen der Qualitätsansprüche bei vielen Drucksachen sein Smart 720-Scanner noch lange nicht still.

Gut fürs Geschäft war besonders der Kauf der ProgRes-Kamera von Kontron und die Einrichtung eines Fotostudios. In kurzer Zeit hat er bereits zwei Kataloge reproduziert, die er dank gesunkenen Gesamtkosten wesentlich günstiger als bisher produzieren konnte. Für ihn hat sich der Ratschlag seines Vorredners schon gelohnt. Ebenfalls im ersten Block wurden zwei Vorträge über HiFi-Color geboten, von Kurt K. Wolf und Hans Walla.

Die automatische Seiten- und Bogenmontage

bildete den letzten Vortragsblock des ersten Tages mit einer Reihe von fünf Vorträgen. Christian Barth aus München berichtete über Database-Publishing für die Katalogherstellung. Er erklärte den Auftrag mit dem Bürohaus Schulz, bei dem man die Scitex-Layouts mit den Daten eines EDV-Systems gefüllt hat. Nach der erstmaligen Produktion sind Neufassungen mit geänderten Daten des EDV-Datenbankprogramms wesentlich schneller, weil automatisch erneuert. Klaus Behnke von der Firma CoDesCo führte sein Datenbank-Programm Dataform Pro live vor, das grosse Beachtung fand, weil es mit Quark XPress zusammenarbeitet. In der Macintosh-Produktion sollte man die Möglichkeiten dieses Programms unbedingt kennen, um sich bei Periodikas mit hohem Wiederholungsanteil Produktionsvorteile zu verschaffen. R. Klapholz von Scitex informierte über das neue Datenbank-Publishing-Programm Catalogic für Scitex-Anwender, das auf der Seybold-Konferenz in Boston kurz zuvor mit dem Preis als «Bestes Produkt» ausgezeichnet worden ist. Mit einer Live-Demo des Programms weckte er das Interesse der Anwender.

Die DoPlate ist eine Alternative zum Digitaldruck

Joe Brim berichtete über seine Erfahrungen mit dem DoPlate-Platten-Belichter in der Praxis. Joe Brim betreibt in London eine Schnelldruckerei mit Reproabteilung namens Lasergravure, der sehr modern eingerichtet ist. Als Scanner dienen ein Magnascan mit TIFF-Ausgabe (auf neun Macintoshs mit Sun Server), ein Layoutscanner sowie eine Kodak Photo CD-Anlage. Als Ausgabe dienen zwei Canon CLC 500, eine Heidelberger GTO Vierfarbenpresse, eine Scitex Outboard-Anlage und, gerade installiert, die erste Agfa Chromapress Digitaldruckmaschine. Der Scitex DoPlate dient der Herstellung von DIN A3-Platten für die Heidelberger Druckmaschine, für die er auch Platten in einer 1:1-Kamera und im Kontakt belichtet. Mit dieser Lösung ist er so schnell, das für ihn die Heidelberger GTO-DI ohne jeden Reiz ist.

Ausschiessen: Preps löst Impostrip ab

Scitex stellt den Verkauf der Ausschiesssoftware Impostrip von Ultimate Technologies ein und ersetzt es durch Preps von ScenicSoft. Das neue Programm bietet mehr Flexibilität bei der Verwendung von PS-Seiten; Impostrip-Anwender bekommen beim Umstieg vor dem August 1994 einen Sonderpreis angeboten.

Multimedia: eine Chance für progressive Vorstufenfirmen

Ein weiterer Block untersuchte die Frage, ob die neuen Medien eine Chance für die Reproduktioner sind. Nach der Einführung von K. Wolf präsentierte als erster Florian Brody, Wien zwei Multimedia-Werke. Zuerst stellte Florian Brody, Wien, die erste Multimedia-Schau vor, die in Österreich auf eine Kodak Portfolio CD produziert wurde. Die Schau über das Schloss Schönbrunn, deren Scans übrigens der neue ISA-Präsident Ludwig Laut geliefert hat, verbindet Standbilder mit Sprache und Musik und erlaubt interaktives navigieren. Noch verblüffender ist die 1989 in Kalifornien von Voyager produzierte CD, in der Beethovens Neunte mit einer Hypercard-Begleitung versehen wurde. Der Charme diese CD liegt darin, dass mit ihr erstmals gezeigt wurde, dass man das Hypercard-Programm mit jeder beliebigen Stelle in der Symphonie verknüpfen kann. Florian Brody, der selber einige Jahre beim Voyager-Verlag gearbeitet hat, erntete damit grossen Applaus. Wolfgang Hilbig, Berlin, brachte eine Einführung in die Welt der elektronischen Bücher. Aufgrund seiner praktischen Erfahrungen in der Produktion solcher Bücher wies er auf den wachsenden Bedarf hin, warnte aber auch, nicht die Schwierigkeiten der Datenaufarbeitung zu unterschätzen. Klaus Klosterman, Duisburg, brachte mit dem Geschäftsfüherer seiner Multimedia-Vertriebsfirma MediaWorks, Andreas Löef, eine eigens für unsere Tagung erzeugte Multimedia-Präsentation mit, die das Haus MediaLine vorstellt. Es war erstaunlich, welchen Aufwand man dafür getrieben hatte und mancher Zuschauer im Saal mag seine Meinung über den Wert von Multimedia-Präsentation während der Darbietung aufgewertet haben. Klosterman machte den Reproduktionern im Saal Mut, den Schritt in die Multimedia-Produktion zu wagen. Das sei zwar ein ganz anderes Gebiet, für das man andere Mitarbeiter brauche, aber die Daten der Reproduktion lassen sich mühelos in die Multimediaschau übernehmen, während Multimediadaten zu grob seien, um in der Reproduktion verwendet zu werden.

Wo ist der Markt für Multimedia?

Dr. Michael Has von der Fogra hatten den weiten Fussweg nicht gescheut, um uns seine Ergebnisse einer Umfrage über den zukünftigen Markt für Multimedia vorzulegen. Danach waren die Befragten Medienfachleute der Meinung, das es viele Synergien zwischen Druckvorstufe und Multimedia gebe und hier ein Wachstumsmarkt entstehe, mit dem die Druckvorstufe mögliche Rückgänge im Printbereich kompensieren könne.

Ein stark verjüngter Vorstand wurde gewählt

Die Mitgliederversammlung stand wie jedes zweite Jahr im Zeichen der Erneuerungswahlen für den Vorstand. Vier der sieben Mitglieder traten zurück, neben dem bereits erwähnten Präsident Werner Ziegler waren dies der Vizepräsident Fred Besser, Siegen (10 Jahre), Schatzmeister Horst Vietgen, Hannover (10 Jahre) und Harald Dau, Hamburg (1 Jahr). Der neue Vorstand setzt sich zusammen aus den folgenden Mitgliedern: Ludwig Laut, Wien, (Präsident) Reinhard Diatscheschen, Hamburg Arne Bleyl, Dortmund Eugen Müller, Pforzheim Ernst Vogt, Basel

Mit dem Schlusswort des neuen ISA-Präsidenten Ludwig Laut und Shimon Alon endete die Frühjahrstagung, die in anderthalb Tagen eine Fülle an Informationen brachte und den Vergleich mit anderen Fachtagungen nicht scheuen braucht.
 
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